Brut is a woman – woman is a weapon!

Sonia Dietrich aka Brut ist eine transdisziplinäre Künstlerin. Mit ihrem Projekt Brut bewegt sie sich in den stilistischen Grenzen von Power Electronics und Post Industrial – Genres, die von einer männlichen Dominanz geprägt sind. Dietrichs Arbeiten sind eine direkte Reaktion auf dieses Ungleichgewicht, dem sie eine extreme und gewalttätige Ästhetik entgegensetzt, die stets Partei für die Seite der Unterdrückten ergreift.

BRUT MANIFESTO

BRUT has a smell. A body. A vagina. A mind. BRUT has a picture. A reflection. An interface. BRUT is strong and angry.

BRUT is restless and manic. BRUT is political. Feministic. BRUT has a voice. It consumes and pukes out. BRUT is alcohol poisoning. A prescription drug. BRUT! Neither in or out. BRUT bleeds and shits and pisses. BRUT is outraged. It hates! BRUT is YOU as much as it is ME. BRUT does not vote, pay taxes or interact. BRUT breathes. Despises stupidity. BRUT is never satisfied. BRUT is hungry! BRUT is an entity I will give you. So you can see what BRUT wants you to see.

BRUT does not believe in war or in peace.

BRUT IS A WOMAN – WOMAN IS A WEAPON!


Der Auftritt von Brut findet am 29. März 2019 statt

Noisexistance Teilnehmerin Rosaceae veröffentlicht ihr Album »Nadia’s Escape«

Dieses Jahr hat das Noisexistance Festival zum ersten Mal einen Kompositionsauftrag vergeben. An die Hamburger Musikerin Rosaceae aka Leyla Yenirce.

Unter dem Titel »There’s no time here, not any more« tritt sie in eine Auseinandersetzung mit den Themenfeldern des Festivals, mit Noise, Politik und Subjektivität. Die Aufführung von Rosaceae findet am Samstag, den 30. März 2019 statt.

Letzte Woche erschien zudem das Album Nadia’s Escape von Rosaceae auf Tape. Bei dem Hamburger Label Neoprimitive.

Der Musik-Blog »Das Filter« schreibt dazu: „Weder ist diese Musik oberflächlich im Hintergrundmusik-Sinne noch deep. Sie ist nicht licht, nicht dark. Sondern wie ausgehöhlt. Das gerade macht sie überwältigend, und zwar in der Breite.“ (…) „Der mich inhaltlich mit einer Dringlichkeit erwischt, mich politisiert, sodass ich über größere Zusammenhänge außerhalb des reinen Sounds nachzudenken anfange. Und das ist großartig.“

Das Ende der Geschichte?

Das Ende der Geschichte ist eine These, die der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1992 formulierte. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR sah er eine Ära heraufdämmern, die nicht mehr durch den Antagonismus politischer Blöcke, sondern durch einen weltumspannenden demokratischen Liberalismus gekennzeichnet wäre und in der ein nun mehr selbst historisch gewordener Geschichtsbegriff keine Rolle mehr spielen würde. Diese These forderte energischen Widerspruch heraus, nicht zuletzt durch den Philosophen Jacques Derrida, der mit der Veröffentlichung von Marx Gespenstern reagierte – ein Buch, in dem die These vertreten wird, die Zeit sei aus den Fugen geraten und die Gegenwart werde von den Gespenstern ihrer politischen Vergangenheit heimgesucht.

Auch in der Musikgeschichte lassen sich verschiedene Endpunkte von Erzählungen des Fortschritts entdecken. Die musikalischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts haben ihr Mindesthaltbarkeitsdatum seit langem überschritten und der populären Musik ist das große Zukunftsversprechen abhanden gekommen, das über Jahrzehnte als ihr Motor diente. Auch die Musik wird von den Gespenstern ihrer Vergangenheit heimgesucht, wofür Mark Fisher und Simon Reynolds den bei Derrida entlehnten Begriff der Hauntology [1] geprägt haben. Noise ist zugleich Agent und Symptom dieser Entwicklung. Zum Ende des 20. Jahrhunderts hat dieses sperrige und subkulturelle Genre die meisten der von den klassischen Avantgarden entwickelten Techniken in sich aufgenommen und zu einer neuen Form synthetisiert – ein Spiel mit unkontrolliertem Zufall und Rauschen, extremen Formen elektronisch erzeugter Klänge, freie Improvisation, Verwendung a-musikalischer Klangerzeugung, Störgeräuschen, Verzerrungen und Feedbacks.

Noise ist an Schnittstellen zur populären Musik entstanden, bewegt sich an ihren Rändern, inspiriert neue Formen, wird heute selbst von seiner Vergangenheit heimgesucht und zerstreut sich zugleich in eine Unzahl verschiedener Zukunftsentwürfe.

Weder das programmatische Ende der Geschichte, noch die Heimsuchung durch die eigene Vergangenheit, sind an Noise spurlos vorbeigegangen. Das Wort steht heute für eine unüberschaubare Vielfalt von ausdifferenzierten künstlerischen Positionen und Subgenres. Diese Bandbreite bildet sich im Programm des anvisierten Festivals ab. Im verkleinerten Maßstab eines Festivals soll Noisexistance – in der Art einer Versuchsanordnung – zeigen, dass die Zeit (im Sinne eines linearen Fortschritts) tatsächlich aus den Fugen geraten ist, dass die aktuelle politische und ästhetische Praxis von den Gespenstern ihrer Vergangenheit heimgesucht wird und dass es in dieser Situation darauf ankommt, sich zugleich diesen Gespenstern zu stellen und nach neuen Wegen zu forschen. In Vorträgen von Cécile Malaspina und Marie Thompson werden aktuelle Theorien verhandelt, in denen die produktiven Aspekte von Noise in den Fokus genommen werden. Viele der auf Noise bezogenen Subgenres sind männlich dominiert, es ist für Noisexistance deshalb ein Anliegen, feministischen und queeren Positionen ein Forum zu geben.


Mark Fisher: The Slow Cancellation Of The Future (Auszug dem Buch Ghosts Of My Life auf The Quietus)

Simon Reynolds: Haunted Audio, a/k/a Society Of The Spectral: Ghost Box, Mordant Music and Hauntology, The Wire, November 2006

[1]   Im französischen Original Hantologie. Ein Kunstwort aus ‚to haunt‘ – Heimsuchung und ‚ontology‘ – die Lehre vom sein. Das Sein wird von den Gespenstern seiner eigenen Vergangenheit heimgesucht.

NOISEXISTANCE III

Das Ende der Geschichte
Internationales Festival zur Theorie und Praxis des Lärms
Freitag, 29.–Samstag, 30. März \ Kampnagel \ Hamburg

Noise interveniert an den Grenzen des Musikalischen, es ist der Sound von Aufruhr, ein Rauschen, das feste Positionen in Bewegung bringt. In seiner dritten Ausgabe geht NOISEXISTANCE der Frage nach, auf welche Weise die verschiedenen Bedeutungen von Noise ineinander übergehen und Neues produzieren. Als experimentelles Genre, als politische Intervention und als Strategie des Denkens. NOISEXISTANCE versammelt Protagonist*innen, die an dieser Schnittstelle arbeiten. Ein Fokus des diesjährigen Festivals liegt dabei in der Verbindung von Noise und feministischen Positionen, die innovative politische und ästhetische Handlungsmöglichkeiten erproben. In diesem Kontext wird erstmals ein Kompositionsauftrag mit dem Titel »There’s no time here, not any more« an die Hamburger Musikerin Rosaceae vergeben.